Reise blog von Travellerspoint

Freetown Sierra Leone 11.6.17 01h – 12.6.17 12h

Freetown Sierra Leone 11.6.17 01h – 12.6.17 12h
Die Fahrt vorbei an Senegal, Gambia und Guinea bis nach Freetown dauert 1,5 Tage. Hier heißt es zunächst ebenfalls erst mal 2 Tage Wartezeit vor Anker vor der Einfahrt des größten Naturhafens Afrikas. Zu unserem Erstaunen geht es nach nur 6 Stunden Wartezeit doch am 10.6.17 um 8h in den Hafen, wo wir nach 2 Stunden Anfahrt und Anlegemanöver festmachen können. Wir bekommen vorher noch eine Unterweisung in die Sicherheitsstufe 2 für Freetown. Alle Räume an Deck sind abgeschlossen und müssen zu bleiben. Ebenso alle Türen von Kabinen und Räumen im Schiff, sowie die Türen die zu den Außendecks führen, damit kein fremder an Bord kommen kann. Alle afrikanischen Fahrer die die Altautos von Bord holen und die Hafenarbeiter werden vom Schiffspersonal begleitet und überwacht, damit sie wenig Gelegenheit haben etwas zu stehlen, was hier sehr üblich ist. In der Nacht werden zusätzliche Nachtwachen der Crew aufgestellt. Außerdem ist hier Malariagebiet und wir haben keine Malariaprophylaxe genommen, die uns auf dem Schiff angeboten wurde. Dafür mussten wir unterschreiben, dass wir die Einnahme verweigert haben. Zudem war Sierra Leone der Ausgangspunkt für die Ebola Kriese. Also alles nicht so einladend für einen Landgang. Es gibt nur noch eine höhere Sicherheitsstufe 3, die für Gebiete mit Kriegen oder Unruhen gilt, bei der nicht einmal der Schiffsmotor abgestellt wird, sodass das Schiff bei Gefahr jederzeit bei Gefahr schnell auslaufen kann. Die Altautos auf dem obersten Deck im Freien werden recht unsanft mit einem Urgetüm von mobilen Hafenkran von Deck gehievt. Sobald das Fahrzeug am Boden ist werden sofort die Türen aufgerissen und geschaut ob sich etwas Brauchbares leicht zu Versteckendes darin befindet, bevor die offiziellen Zöllner den Wagen samt Inhalt inspizieren. Militärs und andere Offizielle schauen dem Treiben zu ohne Anstalten zu machen dies zu unterbinden. Vom Schiff aus können wir ein paar Fotos schießen, jedoch immer mit der Ausgangstüre im Blick. Das Hafenviertel liegt an dem Berg des Löwen (Sierra Leone) und weitere Hügel ziehen sich nach Osten, wo die privilegierteren Leute wohnen. Das ist in der Nacht ganz klar abzulesen, wo die Armut beginnt, denn dort brennt kein einziges Licht und das ist ein ganz schön großes Gebiet. Man kann deshalb auch bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, warum hier so viel geklaut wird. Freetown selber hat 1,2 Millionen Einwohner und wurde durch die Briten 1787 gegründet, die hierher 400 von der Sklaverei entlassene Sklaven ansiedelten, auf einem Stück Land das sie dem König und Regenten des lokalen Koya Stammes abkauften. 1792 kamen in 15 Schiffen weitere 1100 befreite Sklaven aus Nordamerika dazu, von denen bereits bei der Überfahrt 64 verstarben. So ist heute Freetown ein Mischmasch verschiedener Ethnien, von denen keine eine deutliche Mehrheit besitzt. Unter dem noch vorhandenen Baumwollbaum im Zentrum wurde 1792 die erste babtistische Messe auf afrikanischen Boden gehalten. Von 1808 bis 1961 war Freetown britische Kronkolonie und diente im 2. Weltkrieg als deren Marinebasis. Politisch unruhig ging es immer zu, mit Bürgerkrieg 1990 und Attacken von Rebellen. Selbst die gewählten Kongressmitglieder wurden wegen Korruptionsaffären entlassen. Der Hafen mit den damit verbundenen Industriezweigen wie: Essens- und Getränkeverarbeitung, Fischverpackung, Reismühlen, Ölraffinerien, Diamantenschleifereien sowie Fabriken zur Herstellung von Zigaretten, Schuhen, Farbe und Bier, stellt den wichtigsten Wirtschaftsfaktor dar. Wir befinden uns jetzt am Anfang der Regenzeit, die von Mai bis Oktober dauert, mit Tagesdurchschnittstemperaturen von 30 Grad. Im Juni gibt es durchschnittlich 22 Regentage bis 27 Tage im Juli und August und 800mm pro Monat. So bekommen wir auch unseren 1. Regentag seit 3 Wochen mit richtig starken Regengüssen, die die kompletten freien Oberdecks unter Wasser setzen. Endlich gibt es etwas zu tun für uns an Bord: Freiwillig Decks schrubben und von dem ganzen Ruß und Öl befreien. Die Freude währt nicht lange, denn diese Arbeit wird uns vom 3. Offizier untersagt ( in der Handelsschifffahrt ist diese Bezeichnung “3rd Mate“, so wie der Kapitän sich “Master“ und nicht Kapitän nennt), denn dies sei die Aufgabe des “Deckmate`s“ und wir seien nur Passagiere. II SIR (zu Deutsch EIEI Sir), ok, dann halt zurück in den Fitnessraum und zum Tischtennis spielen, damit uns der italienische Koch nicht zu viele extra Pfunde verschafft. Wie immer verschiebt sich die Abfahrt um Stunden, so verlassen wir Freetown am 12.7.17 um 12 Uhr, weil eine alte Baumaschinenraupe auf einem Tieflader nicht mehr in Bewegung zu setzten ist und nach langer Diskussion und Gestikulation der Afrikaner unser “Master“ die zündende Idee hat mit dem Riesenkran die Raupe umzuladen und somit diese auf einer Ladeplattform an Bord gebracht werden kann. Verzögerung lediglich 3 Stunden. Wir haben es halt insgesamt sehr ungünstig erwischt, denn schlimmer als Ramadan und afrikanisches Tempo zugleich geht nicht !!!

Eingestellt von Ricargentinado 06:13 Kommentare (0)

Dakar Senegal 6.6.17 07h – 9.6.17 15h

Dakar Senegal 6.6.17 07h – 9.6.17 15h
Erste schlechte Nachricht!! Der Hafen von Dakar ist voll und wir müssen draußen 2 Tage und Nächte vor Anker liegen. Sofort legen Fischerboote backbord an und wollen nebst ihren Fischen und Garnelen, SIM-Karten und Nachladekarten für die Handys zu überteuerten Preisen verkaufen. Die erfahrene Crew weiß jedoch, dass dies im Hafen viel billiger zu erstehen ist. Die zweite schlechte Nachricht ist, dass während des Ramadans, der am 28.5.17 begonnen hat, nicht voll gearbeitet wird. Die halbe Bevölkerung von Senegal sind Moslems, der Rest Christen und Andersgläubige. Nach dem Bild der ordentlich organisierten Häfen in Europa steht hier alles kreuz und quer voll mit Containern und Altfahrzeugen aller Art. Die Entladestapler kommen gerade so durch die engen Gassen. Als erstes besorge ich eine SIM-Karte von Orange Senegal für 10€ und 1 GB Datenvolumen. Schade, dass es nicht ratsam ist von Bord zu gehen, da man offensichtlich speziell in den Hafengebieten von Afrika nicht weit kommen würde ohne belästigt oder gar ausgeraubt zu werden. Die vor Dakar liegende Sklaveninsel Goree wäre bestimmt einen Besuch wert gewesen. Von hier aus wurden die afrikanischen Sklaven nach Nord- und Südamerika verschickt. “The house of slaves“ ist heute ein Museum im Kolonialstil gebaut. Auch die Grand Mosque und die Kathedrale wären sehenswert gewesen, aber wir ziehen die Sicherheit vor und bleiben an Bord, bis wir am 9.6.17 von Dakar ablegen mit Ziel Freetown in Sierra Leone. Vor dem Ablegen durchkämmt die Crew noch alle Decks und schaut in jeden nicht abgeschlossenen Raum oder Behälter, indem sich ein blinder Passagier hätte verstecken können.

Eingestellt von Ricargentinado 06:11 Kommentare (0)

Fahrt Vigo - Dakar 1.6.17 16.30h – 6.6.17 07h

Fahrt Vigo - Dakar 1.6.17 16.30h – 6.6.17 07h
Wir können unsere Innenkabine in der es immer dunkel war, in eine Aussenkabine mit öffenbaren Fenster auf der Backborseite wechseln. Auf der Fahrt entlang der portugiesischen beginnt eine große Räumaktion an Bord. Alle Waschmaschinen, Spülmaschinen und Kühlschränke werden gegen neue getauscht. Dies geschieht so alle 4 Monate. Die „alten“ Geräte werden als Bonus in die Autos für Afrika gesteckt. Wir sind etwas erstaunt, dass der Biomüll in Plastiksäcken einfach über Bord geworfen wird. Dies ist außerhalb der 3 Meilenzone erlaubt und die Plastiktüten sind aus abbaubaren Material. Allerdings geht auch so manch anderer Müll über Bord! Ein Gespräch mit dem freundlichen und immer gut gelaunten Kapitän ergibt noch einige Informationen: Früher wurden die Schiffe in Italien gebaut und wogen ca. 54000to, jetzt werden sie in Korea gebaut und wiegen nur noch 37000to. Er hat da etwas Bedenken mit der Lebensdauer der Schiffe, die normalerweise 35 Jahre betrug. Die Fracht zurück von Südamerika nach Afrika ist hauptsächlich Zucker, Kaffee und Kakao. Die Baugeräte und Maschinen der Fa. Caterpillar kommen aus dem Werk in Brasilien und gehen nach Europa.
Dem Zyklon bei Casablanca sind wir entkommen, jedoch hat der Seegang etwas zugenommen, ist aber noch erträglich. Am 3.6.17 kommen wir nahe an den Westküsten von Lanzarote und Fuerteventura vorbei und schon kommt Hektik an Bord auf, denn es gibt hier für 2 Stunden wieder Empfang am Handy. Die Mannschaft und wir stehen an Deck und schicken fest WhatsApps, SMS und Emails in die Heimat, immerhin sind wir schon fast 3 Wochen von zu Hause weg.
Am Pfingstmontag den 5.6.17 tuckern wir nach der ewig langen Küste von Marokko jetzt entlang der Küste von Mauretanien und bekommen heute eine Besichtigungstour in die diversen Maschinenräume die sich unter dem Deck1 von 13 Decks insgesamt befinden. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk, Helm und Gehörschutz geht es in den ca. 40 Grad heißen und ewig lauten Motorraum. Der Motor hat 8 Zylinder, jeder mit 225000 ccm Hubraum (Kolbendurchmesser 62cm, Hub 75 cm). Zum Vergleich unsere APEs haben 218 ccm !!! Mit gemütlichen 115 Umdrehungen in der Minute wird über die riesige Welle von ca. 50cm Durchmesser die Schraube angetrieben. Für das Manövrieren sowie An – und Ablegen in den Häfen gibt es am Bug und am Heck jeweils einen elektrisch betriebenen Seitenmotor. Diese werden durch die zusätzlichen 4 Generatoren neben dem Hauptgenerator, der an die Welle gekoppelt ist betrieben. Wir fahren jetzt mit Schweröl, das ordentlich viel Ruß erzeugt. In Europa, USA und Japan ist es verboten Schweröl zu fahren. Das Schweröl wird in Zentrifugen von größeren Partikeln gereinigt, bevor es mit 130 Grad und ca. 8 bar eingespritzt wird.
Morgen früh am 6.6.17 um 7h kommen wir nach 4,5 Tagen ununterbrochener Fahrt im Abstand von den Küsten von wenigstens 100 -200km und Meerestiefen von 1700m in Dakar an.

Eingestellt von Ricargentinado 06:04 Kommentare (1)

Vigo

Die Fahrt von Le Havre nach Vigo dauerte nur 52 Stunden. Ankunft am 01.06.2017 um 4 Uhr morgens. Die 400 neuen PKWs sind schnell geladen, sodaß die Reise nach Dakar gegen Mittag weitergeht.

Eingestellt von Ricargentinado 02:12 Kommentare (0)

Le Havre


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Le Havre
Hier werden weitere Container sowie Alt- und Neufahrzeuge geladen. Nach 1,5 Tagen, am 29.05.2017 um Mitternacht geht es weiter nach Vigo in Nordspanien nahe der portugiesischen Grenze. Die Fahrt dorthin dauert 2,5 Tage.
In Vigo kommen nur noch 400 Autos an Bord, deshalb ist der Aufenthalt hier nur 6 Stunden. Jetzt haben wir 2200 Autos, Pickups und Kleintransporter, sowie 195 LKW an Bord die zusammen rund 2600to wiegen ( inklusive unserer beiden APEs von je ca. 1 to !!!). Die 430 Container und weitere Fracht wiegen 8800to. Von der möglichen Ladekapazität von 28000to, haben wir also nicht mal die Hälfte geladen. Als Sparmaßnahme hat Grimaldi für alle ihre Frachtschiffe die maximale Geschwindigkeit von 20 Knoten (37km/h) auf 15 Knoten (28km/h) reduziert um Treibstoff zu sparen, sodass wir nur 35 to pro 24 Sunden verbrauchen. Jetzt geht es ca. 5 Tage weiter entlang der portugiesischen Küste und dann mit Schweröl vorbei an Marokko bis nach Dakar.

Eingestellt von Ricargentinado 01:56 Kommentare (0)

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